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www.arte-tv.com - Legături Bolnăvicioase (Jutta Klocke)

Synopsis: Die Bukarester Studentin Kiki (Maria Popistasu) blickt zurück auf einige unbeschwerte Monate mit ihrer vom Land kommenden Kommilitonin Alex (Ioana Barbu). Die Freundschaft wandelt sich zu einer zaghaften, aber innigen Liebesbeziehung. Trotz ihrer ehrlichen Gefühle für Alex kann Kiki sich aber nicht von ihrem Bruder Sandu (Tudor Chirila) lösen, den sie ebenfalls liebt. Als der eifersüchtige Sandu im Haus von Alex’ Eltern auftaucht, wo die Mädchen ihren Urlaub verbringen, muss Kiki eine Entscheidung treffen.

Kritik: Schon die ersten Einstellungen verweisen, gemeinsam mit dem immer wiederkehrenden musikalischen Grundmotiv, auf die eher assoziative Erzählhaltung, mit der sich Tudor Giurgiu seiner Geschichte nähert. Der Rumäne, der schon vor vier Jahren mit seinem Kurzfilm „Popcorn Story“ im Panorama der Berlinale vertreten war, inszeniert die zerbrechliche Beziehung zwischen der impulsiven Kiki und der schüchtern-bodenständigen Alex in lose ineinandergreifenden Szenen, die dennoch stringent dem chronologischen Verlauf der Handlung folgen.

Wie Gedankenfetzen sind die vornehmlich in warme Farben getauchten Motive montiert, und neben der traumartigen Musik verrät auch Kikis melancholischer Kommentar aus dem Off, dass die Bilder längst nur noch Erinnerung sind. Die Eingangssequenz, in der Sandu und seine Schwester ihre stumme Zweisamkeit zunächst im Bett, dann rauchend auf dem Balkon teilen, ist nicht der Anfang der Geschichte, sondern ihr Ende. Sie gehört der Gegenwart an, von der aus Kiki zurückschweift zu etwas, das sie selbst nicht genau benennen kann, von dem sie aber weiß, dass es etwas Besonderes war.

Die flüchtige Struktur des Films greift dieses Moment der Suche, des Undefinierten auf und gibt damit gleichzeitig Aufschluß über den Charakter der „Erzählerin“. Denn so wie Kiki selbst versucht, nur im Augenblick zu leben und dabei die Ursachen und möglichen Konsequenzen ihres Handelns oder Fühlens auszublenden, so springt auch die Handlung, die dem Filter ihrer Erinnerungen unterliegt, von einer Situation zur nächsten, ohne sich um die Einordnung in größere Zusammenhänge zu scheren. Damit bleibt etwa die Vorgeschichte der Beziehung zwischen Sandu und Kiki dem Zuschauer ebenso verborgen wie Alex. Im Umgang der Geschwister ist lediglich eine unerklärte selbstzerstörerische Kraft zu spüren, die im Gegensatz zu der leisen Annäherung zwischen den beiden Freundinnen steht.

Die so unterschiedlichen Charaktere von Kiki und Alex lässt Giurgiu ohne viele oder große Worte zueinanderfinden – und dank seiner Darstellerinnen gelingt es auch, ihre Geschichte hauptsächlich in Gesten und Blicken zu erzählen. Maria Popistasu, die erst letztes Jahr in Jörg Kalts „Crash Test Dummies“ im Berlinale-Forum zu sehen war, setzt Kikis emotionale Unstetigkeit, ihren Unwillen, sich festzulegen, in eine flatterhafte, expressive Körpersprache um. Ioana Barbu dagegen bleibt in ihrem Ausdruck zurückhaltend und spiegelt Alex’ Unsicherheit und ihr Bemühen um Kontrolle damit nur um so deutlicher wieder.

Im Zusammenspiel dieser gegensätzlichen Physiognomien offenbaren selbst kleine Augenblicke das von Anfang an bestehende Ungleichgewicht der Beziehung der beiden Mädchen. Wo das Durchstechen eines Ohrläppchens für die eine nur einen spontanen Spaß bedeutet, wird die Prozedur für die andere ein ernsthafter Vertrauensbeweis. Die episodische Form bewahrt den Film aber davor, der leisen Vorahnung des Scheiterns, die in fast jeder Szene mitschwingt, die Bedeutung des Schicksalsschwangeren aufzubürden. Die Inszenierung behält sich trotz aller melancholischer Anklänge eine Leichtigkeit vor, deren Berechtigung in Kikis innerer Verfassung zum Zeitpunkt des Rückblicks liegt. Das Ausmaß eines Verlustes zeigt sich eben erst dann, wenn das Wertvolle, das man als selbstverständlich genommen hat, tatsächlich verloren ist. Die Stimmung des Films entspringt genau jenem emotionalen Schwebezustand, der im Moment dieser Erkenntnis entsteht und in dem Schmerz und Glücksempfinden gleichberechtigt nebeneinander

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